1. Geraauelauf Halbmarathon

Was macht man an einem Sonntag, wenn man am Samstag einen Wettkampf gewonnen hat? Na klaro, ausprobieren, ob die Siegessträhne anhält. Etwas wehmütig kann ich schon mal hier verkünden, dass es zumindest zu einem Sieg in der Altersklasse gereicht hat.

Fangen wir aber vorne an. Der Geraauelauf sollte eigentlich zur Eröffnung der neugestalteten Geraaue im Erfurter Norden erstmals stattfinden. Corona, COVID etc., ihr kennt das Spiel, wurde die Premiere eben in den September gelegt. Auch wenn meine Beine noch sehr schwer vom Vortag waren, durch den Ärger der Fehlleitung war mein Puls gestern teilweise bei 200 bpm, hatte ich heute nicht viel zu verlieren.

Kurzerhand konnte ich vom verletzungsbedingt nicht startenden Jörg den Startplatz übernehmen und mich auf schöne 2,5 Runden entlang der Gera freuen. Schon das Warmlaufen hat sich ziemlich unrund angefühlt, bei 21 Wettkampfkilometern lockert sich aber bestimmt irgendwann die Muskulatur. …das war zumindest der Plan. 😅

Um 10 Uhr erfolgt also der Start zum heutigen Hauptlauf über den Halbmarathon. Zunächst zwei Runden durchs Stadion und danach immer dem Führungsfahrzeug hinterher. Na klar laufe ich von vorne. Nicht das mir noch jemand entwischt.

Spätestens nach fünf Kilometern zeigte sich aber, dass das wohl wirklich nicht mein Tag wird. Die Oberschenkel brennen ziemlich, aber vielleicht lockert sich das ja noch. Wir laufen zu dritt in der Spitzengruppe, zwei weitere Athleten nur knapp hinter uns. Der Plan bei Kilometer 11 anzugreifen und die Flucht nach vorne zu suchen liegt im Kopf noch parat. Es geht fast ausschließlich über gut geschotterte und sauber asphaltierte Wege. Die einzige Steigung bildet eine Brücke, die pro Runde zwei Mal überlaufen wird.

So langsam halte ich mich eher am Ende der Führungsgruppe auf und schaue heimlich lieber nach hinten als nach vorne. Na klar muss die herangelaufene Nummer vier direkt an der Brücke attackieren und vorne weglaufen. Was für eine Wonne, dass er sich durch die eigene Attacke komplett hochgegangen ist und wir zu dritt vorne wieder Ruhe haben. Kilometer 12. Eigentlich sind noch neun zu laufende Kilometer nicht wirklich viel. Eigentlich. Meine Augen halten so langsam lieber Ausschau nach Sitzgelegenheiten als auf die Straße zu schauen. Da sieht so langsam eh alles etwas verschwommen aus.

Tja und dann passiert es. Man hat den Knall vielleicht nicht laut gehört, aber bei Kilometer 17 bin ich so dermaßen geplatzt, der Kampfmittelräumdienst hätte eine wahre Freude dran gehabt. Platz eins und zwei sind auf und davon. Noch ein Mal über die Brücke. André auf Platz vier vom LTV McDonald’s 3athlon Team kommt immer näher. Ich starre beim Laufen nur noch in die Luft und versuche einen Fuß vor den anderen zu setzen.

Soll es das gewesen sein? Wenn mich André stehen lässt lege ich mich einfach an den Streckenrand und laufe keinen Schritt mehr heute. Platz 3 oder DNF. Was anderes steht nicht zur Debatte. Und da ist er auch schon. Seite an Seite geht es auf den letzten Kilometer. Ab jetzt zählt nur noch der Kopf. Ich setze einen kleinen Antritt aber André bleibt konsequent dran. Er läuft direkt hinter mir. Taktisch hat er definitiv die bessere Position. Um ins Ziel zu kommen haben wir noch eine 400m Runde im Stadion vor uns. Auf der ersten Kurve wird er sicher nicht attackieren, also muss ich theoretisch nur auf der Geraden den Turbo zünden. Nach fast 21 Laufkilometern klingt das doch ziemlich easy oder? Ich will einfach den verdammten dritten Platz haben! Also Feuer frei und alles raus was der Motor noch hergibt. Ihr wollt wissen wie sich eine 2:30er Pace anfühlt? Dann dreht doch einfach mal mit mir und André eine Runde im Stadion. 💪😂

Ich musste mich glaube noch nie im Ziel hinlegen, die Augen schließen und einfach da liegen. Warten, dass mein Körper irgendwie wieder Blut in mein Gehirn pumpt. Boa war ich fertig. Wieso wir uns so etwas antun? Weil es einfach Spaß macht.

Ach ihr wollt noch wissen wie es am Ende ausgegangen ist? Mehr als das André und ich in der gleichen Altersklasse starten brauche ich glaube ich nicht zu sagen. 😉

Jetzt gönne ich mir aber erstmal ein paar lauffreie Tage.

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