Ironman Vichy 2021

Vorsicht, der Bericht über die Langdistanz beim Ironman Vichy könnte gegebenenfalls etwas länger als sonst werden.

Da ich einige Pappenheimer kenne, die nie gerne bis zum Ende Ende lesen, kommen heute auch einfach mal die Dankesworte an den Anfang. (Jaja, ihr könnt auch einfach weiterscrollen.🤘😂) Zunächst einen riesen großen Dank, an Intersport Wohlleben für das geile Material, allem voran das super schnelle Specialized Shiv. So ein Traumrad muss man einfach mal unter dem Allerwertesten gehabt haben. Auch an Aerobee für die exzellenten Honiggels während des Wettkampfes (ich habe locker 26 Stück davon heute verdrückt) und an die Stadtimkerei Schröder für den tollen Erfurter Biohonig für das Carboloading. Und damit in den Schuhen nichts reibt einen großen Dank an Soccas für die feinen Laufsocken Made im Erzgebirge. Der größte Dank geht aber an meine Freundin, die immer wieder, trotz frischem Nachwuchs, mir Zeit fürs Training freischaufelt und dabei sich selbst ziemlich zurücknehmen muss. Vielen vielen Dank. ❤️

So, ab jetzt dürft ihr wieder weiterlesen. 🤘😄 Eigentlich ist die Geschichte mit dem Ironman Vichy ein alter Hut. Ich hatte mich schon 2019 hier angemeldet, weil die Radstrecke mit ihren 2400hm ziemlich anspruchsvoll ist und ich das Radfahren einfach liebe. Dann wurde der Wettkampf verschoben und die kleine Luise hat das Licht der Welt erblickt. Nicht gerade perfekte Voraussetzungen bei so einem Wettkampf.

Starten wir aber von vorne. Da wir schon am Donnerstag angereist sind konnte ich ganz entspannt die Startunterlagen am Freitag Morgen abholen. Der Rad CheckIn ist dann ganz klassisch am Samstag Nachmittag, nachdem die Athleten des 70.3 Vichy mit ihrem Rennen fertig sind. Eine kleine Besonderheit, sicher Covid geschuldet, ist die Tatsache, dass T1 und T2 voneinander getrennt sind, dazwischen aber nur einige 100 Meter liegen. Die Beutel fürs Radfahren und Laufen liegen auch direkt am eigenen Wechselplatz. …und wehe dem, der so unverschämt ist seinen Helm auf den Lenker zu legen. Die Tüten sind schließlich nicht umsonst da. 😄

Am Samstag Abend gab es dann noch die klassische Portion Spaghetti mit Tomatensoße, ehe am Sonntag Morgen um 3:30 Uhr der Wecker klingelt. Schnell drei Toastbrote mit Honig mit einem Liter Leitungswasser heruntergewürgt (ich liebe ja Honig, ohne Butter oder ähnlichem ist das dann aber doch etwas trocken) und reingeschlüpft in die Wettkampfkleidung. Von unserer Unterkunft aus betrug der Gehweg circa 30minütigen bis zum Start. Um 5:30 Uhr dann in der Wechselzone ankommend noch schnell das Rad bestücken, einen obligatorischen Besuch des Dixis absolvieren und in den Neo gequetscht. Etwas Arme Kreisen und ganz motiviert am Ende der Schlange bei den sub 62 min. Schwimmern einsortieren.

Irgendwie hatte ich dann doch ein schlechtes Gewissen und habe gewartet, bis der sub 66min-Block mit in den Startbereich durfte. Als kleinen Tipp, solltet ihr erwägen in Vichy zu starten, rate ich euch, eine Wasserflasche mit zum Start zu nehmen, um die Schwimmbrille anzufeuchten. Man kommt leider vor dem Start nicht ans Wasser ran. Auch empfiehlt sich eine ungetönte Schwimmbrille, da es morgens doch noch recht düster ist.

Wie es bei Ironman mittlerweile üblich ist, gibt es einen Rolling-Start. Alle paar Sekunden werden sechs Athleten ins Wasser gelassen. Es wird im Übrigen von einem Steg gestartet, also schön vorher den Bauchklatscher üben! Circa 6:33 Uhr bin ich nach dem ersten Block der sub 62min-Schwimmer gestartet. Ich dachte schon beim Schwimmen, dass ich wohl heute in der Form meines Lebens bin, so viele Schwimmer wie ich auf den folgenden Kilometern überholt habe. Am Ende hat sich dann aber doch herausgestellt, dass die Herrschaften sich einfach falsch einsortiert haben. Einmal vorne sein ist wohl doch ein angesagtes Motto. Der Lac d‘Allier ist eine Regattastrecke und es wird eine große Runde geschwommen. Die kleinen Bojen in gerader Linie erleichtern die Orientierung enorm, ein paar Schlängellinien zu schwimmen habe ich mir dann aber doch nicht nehmen lassen.

Irgendwann auf dem letzten Kilometer hab ich dann auch ein hübsches Paar Füße gefunden, die mir etwas Wasserschatten gespendet haben und nach 1:03:10h war der erste Part passé. Für meine derzeitigen Schwimmumfänge ein durchaus solides Resultat.

Und auf geht’s in die Wechselzone. Würde der Triathlon nur aus den Wechseln bestehen hätte ich wahrscheinlich großes Potenzial ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. Wäre da nicht mal eine Sonderpräme angebracht? 🤘😄

Rauf auf das Rad und ab zum Kernelement des Wettkampfes. 182 Kilometer mit 2400 Höhenmetern verteilt auf sieben Anstiege. Der längste zwei mal zu fahrende Anstieg mit einer Länge von ganzen 15 Kilometern. Hoch motiviert geht’s also los. Der erste Anstieg kommt und was passiert? Ich werde von einer riesen Horde Radfahren überholt. Sind 230 Watt berghoch doch zu konservativ angesetzt? Es geht wieder bergab gefolgt von einer flacheren Passage und alle Überbiker sind wieder überholt. Zweiter Anstieg. Das Spiel beginnt wieder von vorne. …na dann fahre ich doch einfach mal mit. Selbst mit 250 Watt kann ich den anderen kaum folgen. Ist meine Form echt so schlecht oder liegen mir Berge einfach nicht? Die Antwort kam ziemlich genau nach zwei Stunden Radzeit. Auf einmal war mein Motor aus. Kein Druck mehr auf dem Pedal. Eventuell lag es daran, dass die gereichten Wasserflaschen aus meinem Flaschenhalter fallen und ich notgedrungen auf übersüßtes Gatorade in Bidons umsteigen muss. Vielleicht waren das einfach zu viele Kohlenhydrate? Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass ich die Trainingsfahrten in den letzten Monaten länger als 2 Stunden an 3-4 Fingern abzählen kann. Ab da begann eines der härtesten Rennen die ich je hatte. Ich habe mich noch nie so sehr über 3,5h auf dem Rad quälen müssen. Ich habe alles aufs Pedal gegeben was ich hatte. Nur selten kroch der Tacho noch über 170 Watt. Trotzdem fühlte es sich wie Anschlag an. Hinzu kam Regen in den Abfahrten. Gute Besserung an alle Radfahrer denen die nasse Fahrbahn zum Verhängnis wurde! Da gab es wirklich einige nicht so schöne Bilder.

5:38:34h saß ich auf dem Rad. So lange wie noch nie bei einem Triathlon. Bei einer NP von 184 Watt kann man aber auch nicht viel mehr erwarten. 66 andere Athleten sollten an diesem Tag schneller auf dem Rad sein als ich.

Das Radfahren ist erstmal abgehakt. Rein in die Laufschuhe. Man sagt ja meistens, dass man sich beim Laufen auf den ersten fünf Kilometern richtig gut fühlt und gerne überzockt. Meine Beine sahen das nicht so. Die haben eher Ausschau nach einer gemütlichen Sitzgelegenheit gemacht. Aber nicht mit mir. Noch schnell vier Runden um den Teich, dann ist doch auch schon Feierabend. Ab hier war es nur Kopfsache. Es wird das gemacht was der Kopf sagt. Sonst dauert das ja noch länger. Stimmungsmäßig war das sicherlich eines der krassesten Sachen die ich je erlebt habe. Da kann auch Roth nicht mithalten. Ich wurde noch nie so oft angefeuert wie heute.

Die Verpflegung beim Laufen mit meiner Softflask gefüllt mit acht Gels ging wieder hervorragend auf. Das Stimmungstief kam ein Glück erst bei Kilometer 30, die 12 Kilometer am Ende bekommt man dann aber auch noch irgendwie hingewürgt. Ein Marathon in 3:16:11h ist jetzt nichts besonderes, aber trotzdem solide um halbwegs den Gesamtplatz zu halten.

Nach 10:02:19h habe ich dann mit Platz 51 von 1200 Starten die Top50 knapp verfehlt, damit hätte ich aber auch keinen Blumentopf gewonnen. In der Altersklasse mit Platz 18 ist auch noch viel Luft nach oben, dass wird aber schon wieder mit vernünftigem Training. 💪😄

Resultat des Tages. Ein Ironman mit wenig Training kann ziemlich weh tun, irgendwie bekommt man das aber schon gewuppt. 🤗 Zumindest darf ich mich jetzt nach meiner vierten Langdistanz auch endlich „Ironman“ nennen.

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