2. O-See Xterra Trail

Bevor ich hier ein paar Zeilen über den Traillauf im Zittauer Gebirge über 25 Kilometer mit über 1100hm schreibe, muss ich wohl erstmal klarstellen, was Trailrunning eigentlich ist.

Meiner Meinung nach waren bei diesem Trailwettkampf nur drei Trailläufer am Start, dazu später aber mehr. 😋

Von alleine wäre ich wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen einen Traillauf zu machen. Dank eines Gewinnspiels von Aerobee sollte ich dann doch mal in die Versuchung kommen. Bei uns in Erfurt kann man bei trockenen Wegen fast alle Strecken, die ich so kenne, mit Straßenlaufschuhen laufen. Gut zwei Wochen vor dem Start des O-See Trails habe ich erst den Startplatz gewonnen. Im Schrank hatte ich tatsächlich noch ein paar neue Trailschuhe von Hoka und mir blieben ganze drei Läufe, um sie etwas einzulaufen. Nach dem ersten Versuch hatte ich zunächst riesen Blasen am Längsgewölbe des Innenfußes, jeweils links und rechts. 😱 Keine guten Voraussetzungen eine Woche vor dem Laufwettkampf.

Um nicht mitten in der Nacht von Erfurt nach Oybin fahren zu müssen, damit wir pünktlich zum Start um 10 Uhr da sind, haben wir entschieden schon die Nacht vorher in Görlitz zu übernachten.

Yeah, it’s Raceday! Nachdem es die letzten Tage durchgehend geregnet hat, sollte es heute zumindest trocknen bleiben. 4’C zeigt das Thermometer an. Klar habe ich mich da für die kurze Hose entschieden. 🤘

Wir waren circa 1,5h vor dem Start da, um ganz entspannt die Startunterlagen abholen zu können und etwas die Gegend auf uns wirken zu lassen.

Ich kenne ja einige Mittelgebirge, das Zittauer Gebirge hat aber definitiv seinen eigenen Flair.

Das Streckenprofil habe ich mir vorher nur grob angesehen. 10 Kilometer hügelig, 10 Kilometer mit drei Anstiegen und am Ende 5 Kilometer bergab.

Und los geht’s. Gleich von den ersten Metern an geht es leicht bergauf. Ich weiß jetzt schon, dass ich heute lieber nicht auf die Geschwindigkeitspace meiner Uhr schauen sollte.

Kurz nach dem Start zeichnet es sich ab, dass 2-3 Läufer nach vorne hin vom Feld absetzen und ich befand mich in einer circa 10-köpfigen Verfolgergruppe.

…zumindest bis zum ersten richtige Anstieg. Langsam wurde mir bewusst worauf ich mich hier eingelassen habe. 1100hm verteilt auf 25 Kilometern sind dann wohl doch relativ viel.

Die Laufgruppe riss schnell auseinander. Ich laufe echt gerne bergauf und bin auch nicht gerade der Schwerste. Trotzdem musste ich schon beim ersten Anstieg teilweise anfangen zu gehen. Im Lauftempo wäre ich nicht wirklich schneller gewesen. Das sollte ja was werden. Gute 22 Kilometer liegen noch vor mir und meine Garmin zeigt mir einen Puls von 99% vom Maximalpuls an.

Ich bin komplett durchgeschwitzt und so langsam ist mir die Platzierung auch egal. Irgendwo im Bereich Top10 werde ich mich schon bewegen. Einige Kilometer lang sehe ich weder vor mir noch nach mir einen Läufer.

Überraschenderweise waren im Wald doch recht häufig Zuschauer, oder Helfer die einem den Weg zeigen, zu sehen. Apropos Helfer, drei Verpflegungspunkte und eine Streckenausschilderung die seinesgleichen sucht machte das Rennen zu einem der professionellsten Läufe die ich so kenne. Wer sich hier verläuft ist selber Schuld.

Als die Hälfte der Strecke geschafft war, und mit dem Wissen, dass es die letzten 5 Kilometer eh nur bergab geht, bekam ich wieder etwas Energie und Motivation Gas zu geben.

Vielleicht lag es auch an dem Kakao&Guarana Honiggel von Aerobee, welches ich zu diesem Zeitpunkt genüsslich in mich reingestopft habe. Das Gel wird zwar bei Kälte ziemlich zäh, somit hat man aber zumindest auch mal ein bisschen was zu kauen 🤘😄

Da kommt doch tatsächlich wieder ein Läufer in mein Sichtfeld. Den schnappe ich mir noch! Ich brauche einfach immer kleine Ziele im Wettkampf an denen ich mich entlang hangeln kann. Beim letzten Anstieg bin ich endlich dran und siehe da, ein paar hundert Meter weiter hampelt ja noch ein Sportskollege herum. Oben angekommen bin ich auch an diesem dran.

Ab jetzt nur noch downhill. Der Plan ist einfach am Läufer dran bleiben und kurz vor dem Ziel abhängen. Nach vorne wie nach hinten ist eh niemand mehr zu sehen.

Wir rasen in einem teilweise halsbrecherischen Tempo bergab. Ich versuche mich die ganze Zeit an den Läufer vor mir zu halten und seine Linie nachzulaufen. Blöderweise musste somit mein Gesicht des Öfteren für tief hängende Zweige herhalten.

Und wie sollte es anders kommen, da sind die Beine auf einmal langsamer als der Rest. Ob es Glück oder Pech ist, dass ich mitten in einem Brennnesselfeld gelandet bin darf sich jeder selbst beantworten. Schnell wieder aus der Horizontalen in die Vertikale und weiter geht’s. Den Läufer vor mir lasse ich nicht davonkommen. Wo kommt denn auf einmal dieser Anstieg wieder her? Dem Läufer vor mir macht er aber mehr zu schaffen als ich und schwups geht’s vorbei. Oben angekommen ist der Abstand ausreichend, um ab jetzt locker ins Ziel trudeln zu können. Noch circa 3 Kilometer nur bergab.

Na klasse, da kommt doch tatsächlich noch einer von hinten auf mich aufgelaufen. Ich hab zwar keine Ahnung auf welchem Platz ich mich gerade befinde, die Platzierung gebe ich aber nicht mehr her.

Nach über zwei Stunden Laufzeit über die letzten 1,5-2 Kilometer Vollgas zu laufen tut einfach jedem weh. Die Platzierung wird also im Kopf entschieden. Danke Jürgen Schempp, dass du mich auf solche Momente super vorbereitest.

Am Ende waren es 6 Sekunden Vorsprung. Ja und die Platzierung am Ende? Nach 2:14:32 h sprang ein 4. Gesamtplatz und zweiter Platz in der Altersklasse heraus.

Die ersten drei Plätze hatten zwar über 10 Minuten Vorsprung, beschweren will ich mich über meine Leistung und Platzierung echt nicht. Aber habt keine Angst, so schnell seht ihr mich nicht wieder beim Trailrunning. Das ist mir einfach zu langsam, auch wenn die Natur wunderschön ist. Blöderweise hat man da aber eh nie Zeit drauf zu achten, weil man sonst auf der Nase liegt.

Achso und um nochmal den Bogen zum Anfang zu spannen: Wenn ich als Viertplatzierter so gut wie jeden Anstieg gehen muss, sollte sich der Veranstalter und auch alle Läufer einschließlich mir überlegen, ob sie ihre Sportart nicht eher in Trailwalking umbenennen sollten. 🤘😝

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s